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Angehörige von Menschen mit Messie-Syndrom: Herausforderungen, Hilfe & Selbstschutz

Angehörige von Menschen mit Messie-Syndrom
Herausforderungen, Hilfe & Selbstschutz

Als Angehörige:r eines Messie-Betroffenen schwankt man oft zwischen Sorge, Wut und Ohnmacht. Doch du bist nicht machtlos! Mit Struktur, Empathie und ganz konkreten Schritten kannst du unterstützen – und dich selbst schützen.

Tipps für Angehörige: Was sofort hilft

  1. Selbstfürsorge an erste Stelle
    Mini-Pausen planen (5–15 Min.)
    Festes Ritual einbauen
    Bewegung integrieren
    Unterstützung suchen
    Entspannungstechniken ausprobieren
  2. Sanfte Kommunikation statt Vorwürfe
    Ich-Botschaften nutzen
    Aktives Zuhören
    Timing beachten
    Empathisch-neugierig bleiben
    Körpersprache offen halten
  3. Kleine Schritte vereinbaren
    Mini-Projekte (z. B. eine Schublade)
    Zeitlimit setzen
    Erfolg sichtbar machen
    Belohnungen einbauen
    Flexibel bleiben – jeder Schritt zählt!
  4. Struktur & klare Grenzen
    Feste Aufräumzeiten
    Schutzzonen definieren
    Keine heimlichen Aktionen
    Verbindliche Abmachungen
    Visualisierungshilfen (Checkliste, Flowchart)
  5. Professionelle Hilfe ins Boot holen
    Arzt- oder Therapeutenbesuch vorschlagen
    Begleitung anbieten
    Verschiedene Angebote prüfen
    Mut zur Langfristigkeit
    Ängste entkräften („Es geht um Unterstützung, nicht Kontrolle“)
  6. Empowerment durch Information
    Gemeinsam recherchieren
    Verständnis fördern (Horten = Krankheit, keine Charakterschwäche)
    Workshops und Webinare
    Nützliche Apps und Tools
    Gemeinsames Üben (z. B. Entscheidungsfindung trainieren)

Was Angehörige besonders belastet

  • Familiäre Belastung: Zusammenleben mit Messie-Betroffenen führt zu hohem Stress, Konflikten und Beziehungsproblemen4.
  • Soziale Isolation: Scham, Rückzug und Verlust von Freundschaften, besonders bei Kindern und Jugendlichen5.
  • Gesundheit & Sicherheit: Erhöhtes Risiko für Schimmel, Unfälle (Sturz-, Brandgefahr), Atemwegserkrankungen6.
  • Geringe Krankheitseinsicht: Viele Betroffene erkennen das Problem nicht und nehmen selten Hilfe an7.

Wie du wirksam unterstützen kannst

  • Sensibles Gespräch: Sorge um Gesundheit und Sicherheit klar, aber wertschätzend ansprechen; gemeinsam Beratung oder Erstgespräch beim Arzt/Fachtherapeuten anregen5.
  • Therapie einbeziehen: Standard ist kognitive Verhaltenstherapie mit stufenweiser Entrümpelung – Familie kann zur Umsetzung beitragen, sollte aber nicht eigenmächtig handeln8.
  • Kleine Ziele setzen: Im Dialog mit dem Betroffenen überschaubare Projekte wählen (z. B. ein Regal/Woche). Jeder Teilerfolg stärkt Motivation8.
  • Motivational Interviewing: Gesprächsführung, die Eigenmotivation fördert und Widerstand verringert9.
  • Grenzen klären: Angehörige übernehmen keine „Rettungsmission“, sondern achten auch auf ihre eigene Belastungsgrenze.

Selbstschutz für Angehörige

  • Eigene Unterstützung suchen: Selbsthilfegruppen & Beratungsstellen für Angehörige entlasten und geben Rat7.
  • Gefühle ausdrücken: Offene Gespräche mit Freunden oder Beratung nutzen, um Frust & Ängste zu verarbeiten5.
  • Auszeiten nehmen: Regelmäßige Pausen sind essenziell, um Burn-out zu vermeiden.
  • Fortschritte anerkennen: Kleine eigene und gemeinsame Erfolge bewusst feiern.

Hintergrund & Einordnung

  • Messie-Syndrom (Hoarding Disorder) ist seit 2013 als eigenständige Störung im DSM-51 und seit 2019 in der ICD-11 (WHO, Code 6B24)2 anerkannt.
  • 2–6 % der Erwachsenen weltweit betroffen3.
  • Angehörige erleben häufig eine starke „Mitbetroffenheit“ – ihre Belastung bleibt oft unterschätzt.

Quellenverzeichnis

  1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). 5. Aufl., 2013.
  2. World Health Organization. International Classification of Diseases 11 (ICD-11), Kapitel über Hoarding Disorder (Code 6B24), 2019.
  3. International OCD Foundation. Who gets Hoarding Disorder? (Abrufdatum 26.4.2025).
  4. Tolin DF, Frost RO, Steketee G. Family burden of compulsive hoarding: results of an Internet survey. Behav Res Ther. 2008;46(9):1090–1095.
  5. National Health Service (UK). Hoarding disorder: Helping a family member. Letzte Aktualisierung 1. Juni 2022.
  6. International OCD Foundation. Health and Safety in Hoarded Homes. (Abrufdatum 26.4.2025).
  7. Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen e. V. Pathologisches Horten – Für Angehörige. (Abrufdatum 26.4.2025).
  8. Stevens M, Steele R. Cognitive-behavioral therapy for hoarding disorder. Cochrane Database Syst Rev. 2021;5(5):CD012671.
  9. Van Noppen B, Steketee G. Family involvement in the treatment of obsessive–compulsive disorder: the Family as Motivator (FAM) approach. Behav Modif. 2003;27(4):496–516.
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