Prävalenz des Messie-Syndroms (Hoarding Disorder)
Studien seit 2015
Das Messie-Syndrom wird heute als ernsthafte psychische Erkrankung anerkannt, die die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. In schweren Fällen sind Wohnbereiche kaum noch bewohnbar, was neben psychischen auch erhebliche gesundheitliche Risiken birgt.
Prävalenz und demographische Aspekte
- Im Mittel liegt die Punktprävalenz laut Metaanalyse (2019) bei etwa 2–3 % der Erwachsenen (gepoolter Wert: 2,5 %, 95%-Konfidenzintervall ~1,7–3,6 %)1.
- Einzelne Untersuchungen mit Fragebogen-Screenings berichten höhere Raten bis ca. 5–6 %2.
- Strengere klinische Interviews ergeben meist niedrigere Werte um 1–2 %3.
- Häufigkeit steigt ab dem 60. Lebensjahr deutlich an5.
- Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen5.
- Erste Symptome oft bereits im Jugendalter, klinisch relevant meist erst später4.
Ländervergleich
Deutschland
Eine bevölkerungsrepräsentative deutsche Studie (N=2307, 2009) erhob per standardisiertem Inventar eine Punktprävalenz von
4,6 % für zwanghaftes Horten2.
Es zeigten sich dabei keine signifikanten Unterschiede nach Alter oder Geschlecht.
(Neuere deutsche Primärdaten fehlen bislang.)
Europa
- Großbritannien: Epidemiologische Zwei-Phasen-Studie (South East London Community Health Survey) fand ca. 1,5 % aktuell Betroffene3.
- Niederlande (>15.000 Erwachsene): Gesamt 2,1 % mit klinisch relevantem Horten; Älteste Gruppe (≥65 J.): ~6 %5. Kein signifikanter Geschlechtsunterschied.
Außerhalb Europas
- USA: Frühe Surveys mit Screening-Fragen ergaben bis 14 % (Lebenszeit; ohne klinische Kriterien)2. Neuere DSM-5-Daten zeigen niedrigere Werte.
- Indien (Kerala, Primärversorgung, N≈6800): Punktprävalenz von ~1,0 % (Hoarding Rating Scale)4.
- Türkei (Kinder & Jugendliche, N=3249): Prävalenz ~1 % – hier deutlich häufiger bei Mädchen (Verhältnis 3:1)5.
Zusammenfassung
Insgesamt tritt das Messie-Syndrom (Hoarding Disorder) weltweit mit niedrigen einstelligen Prozentwerten auf, wobei die Häufigkeit im Alter ansteigt und Geschlechtsunterschiede meist nicht signifikant sind.
Unterschiede in Messmethoden und Stichproben erklären die Spannbreite der Prävalenzschätzungen.
In Deutschland wird die Prävalenz auf etwa 4–5 % geschätzt.
Quellenverzeichnis
- Postlethwaite A., Kellett S., Mataix-Cols D. (2019). Prevalence of hoarding disorder: A systematic review and meta-analysis. Journal of Affective Disorders, 256, 309–316. DOI
- Mueller A., Mitchell J.E., Crosby R.D., Glaesmer H., de Zwaan M. (2009). The prevalence of compulsive hoarding and its association with compulsive buying in a German population-based sample. Behaviour Research and Therapy, 47(8), 705–709. DOI
- Cath D.C., Nizar K., Boomsma D., Mathews C.A. (2017). Age-specific prevalence of hoarding and obsessive compulsive disorder: a population-based study. American Journal of Geriatric Psychiatry, 25(3), 245–255. DOI
- Jaisoorya T.S., Thamby A., Manoj L., et al. (2021). Prevalence of hoarding disorder among primary care patients. Brazilian Journal of Psychiatry, 43(2), 168–173. DOI
- Akıncı M.A., Turan B., Esin İ.S., Dursun O.B. (2022). Prevalence and correlates of hoarding behavior and hoarding disorder in children and adolescents. European Child & Adolescent Psychiatry, 31(10), 1623–1634. DOI